Die Bahndeponie in Bookholzberg

Die Sanierung einer Schutthalde zwingt die Bahn zu Millioneninvestitionen

Ob die Rubrik ‚Sehenswertes‘ dieses Internetauftrittes die richtige Wahl ist, wird sich noch zeigen müssen. Zumindest ist das Projekt der Deutschen Bahn sehr umfassend mit massiver Auswirkung auf die Ortschaften rund um das Deponiegelände.

Verschrottete Züge um 1958/59 Foto: Hans Kragl/Orts- und Heimatverein Bookholzberg-Grüppenbühren

Über 40 Jahre lang (1946 bis 1988) wurden auf der Bahn-Deponie in Bookholzberg vielfältige Abfälle eingelagert, meist Schotter und Bauschutt, teils giftstoffbelastet. 1990 wurde die Deponie stillgelegt. Grundwasserproben wiesen Schadstoffbelastungen (u.a. Arsen und Pflanzenschutzmittel) nach, die eine Grundwassernutzung im Umfeld der Deponie stark in Frage stellten. Die Folge war ein Zuständigkeits- und Kompetenzgerangel vieler Beteiligten und Bürgerinitiativen mit Gutachten und entsprechender Gegendarstellungen. Letztendlich übernahm Ende der 90er Jahre die damalige Bezirksregierung Weser-Ems die Verantwortung für die Deponie Bookholzberg und ordnete deren Abdichtung an, um ein Ausspülen der Toxide in das Grundwasser zu verhindern.

Seit 2004 ist das Gewerbeaufsichtsamt Oldenburg für die Sanierung verantwortlich. Nach negativ beschiedenen juristischen Schritten der Bahn begannen 2008 die Sanierungsarbeiten.

Begrünungskonzept der Deponie Bookholzberg Quelle: Deutsche Bahn AG, Sandra Berner, DB Immobilien; FRI O3

Begrünungskonzept der Deponie Bookholzberg Quelle: Deutsche Bahn AG, Sandra Berner, DB Immobilien; FRI O3

Die Dauer der Sanierung wurde durch die DB mehrfach nach hinten verschoben – nach 2011 und 2013 wird nun Ende 2016 als Projektende avisiert, so Bahn-Sprecherin Sabine Brunkhorst.

Bild: Orts- und Heimatverein Bookholzberg-Grüppenbühren

Bild: Orts- und Heimatverein Bookholzberg-Grüppenbühren

Nach umfassenden Baumfällaktionen großer Pappel- und weiterer Baumbestände, Erdaushüben und einhergehenden Planierungsarbeiten wurde der Boden mit festen Kunststoff-Dichtungsbahnen abgedeckt, auf die dann Gitterfolien als Drainagematte gelegt wurden. Diese leiten das Wasser in seitliche Gräben ab, von wo es über ein vernetztes System aus Rohren zum westlichen Versickerungsbecken geführt wird. Dazu wurde ein großer Hügel mit ca. 4 Grad Neigung modelliert, der vom Mittelpunkt zu den Seiten einen kontinuierlichen Abfluss des Wassers ermöglicht. Etwa 1 m – 1,50 m hohe Erdmassen (Rekultivierungsboden) liegen über dem Drainagesystem, damit später auch Flachwurzler als Bewuchs angepflanzt werden können. Die Aussaat verschiedener Rasensorten hat zudem eine schnelle Erstbegrünung ermöglicht.

Die vier Hauptgruppen der Deponiebegrünung sind Wallhecken, Trockenzonen, Wasserwechselzonen und Böschungsbereiche. Das besondere Element der Begrünungsplanung der Bookholzberger Deponie sind die in diesem Naturraum häufig verbreiteten Wallhecken. Wie ein Spinnennetz ziehen sich diese zukünftig über die Hügellandschaft. Unterbrochen werden die Hügel teils durch Wasserentnahmepunkte. Zweimal im Jahr misst ein von der Bahn unabhängiges Büro die Wasserqualität in den gut 40 Bohrstellen rund um die Deponie. Diese soll sich nach Aussage der Bahnsprecherin jetzt schon merklich verbessert haben.

Mehr als 22 Millionen Euro lässt sich die Bahn die Deponiesanierung kosten. Ende 2016 werde nach Aussage der Projektleiterin die Oberflächenabdichtung abgeschlossen sein, danach sei noch ein weiteres Jahr für die Grünanlagen einzukalkulieren.

Die Nachnutzung ist offen

Mit Beginn der Sanierungsarbeiten wurden diverse Spekulationen über die Nachnutzung des Areals veröffentlicht: Vom Golfplatz über Rodelhügel für Wintersportfans bis zum Naherholungsgebiet für Wanderer und Jogger wurde Einiges orakelt. Relativ konkret war der Vorschlag der hiesigen CDU und FDP, einen Aussichtsturm auf dem Gelände errichten zu lassen, um Besuchern den fantastischen Blick über das Weser-Urstromtal von erhöhter Warte bieten zu können. Diesen Antrag finden Sie hier.

Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Deponie zumindest in den nächsten 5 bis 6 Jahren komplett eingezäunt wird. Die Nachsorgephase, in der weiterhin regelmäßig Wasserproben entnommen werden, dürfte sogar mindestens 30 Jahre dauern. Je nach Besserung der Probenergebnisse könnten so zumindest Teilflächen früher freigegeben werden.

Erst wenn sich die Vegetation auf dem 33 Hektar großen Areal gut entwickelt habe, könne über eine Form der Nachnutzung entschieden werden, kündigt Bahnsprecherin Sabine Brunkhorst vom Regionalbüro Hamburg an. Gegenwärtig sind nach Auskunft der Bahn noch letzte Grünarbeiten erforderlich, da nicht alle Pflanzungen im Sommer vorgenommen werden können.

Giftschwaden und selbstentzündende Flammenwände

Horst Jüchter, ehem. Ortsbrandmeister der Freiwilligen Feuerwehr Bookholzberg

„Die schlimmste Zeit waren für uns die Jahre von 1967 bis 1971“. Immer dann, wenn die Verfüllung der Deponie mit Hausmüll über das Wochenende pausierte, habe sich der ausgasende Abfall selbst entzündet. „Regelmäßig wurden wir freitagnachts alarmiert und konnten gleich das ganze Wochenende durchlöschen“, sagt der ehemalige Brandbekämpfer und erinnert sich an meterhohe Flammenwände und giftige Rauchschwaden. Das Delmenhorster Kreisblatt berichtete im Oktober 1971: „Zum Leidwesen der Anwohner von Bookholzberg und Rethorn sind die aus dem Bundesbahn-Schuttplatz aufsteigenden Rauchwolken schon etwas Alltägliches.“

Quelle: Delmenhorster Kreisblatt vom 21.07.2016

Die Entwicklung der Deponiesanierung und -renaturierung wird auf dieser Internetseite mit hochwertigen Fotos permanent dokumentiert – schauen Sie gerne wieder vorbei!

Fakten zur Bahndeponie Bookholzberg

Name der Deponie:Bookholzberg
Eigentümer der Fläche:DB Netz AG
Größe der Deponie:ca. 33 ha
Stilllegungsdatum:01.10.1990 Einstufung: DK I-II
Entwurfs- und Genehmigungsplanung:Bescheid vom 01.10.2007
Stoffstrommanagement:seit 01.01.2008
Profilierungsmaterial bereits ausreichend aquiriert
OFA:KDB, Drainmatte
Bauausführung:05.07.2010 bis vsl. 12/2016
Bauphase 1:6/2011 beendet
Bauphase 2 und 3:2013 baut Fa. Heilit Umwelttechnik, schon 6 ha abgedeckt
Nachsorge:2017 - 2047
Nachnutzung in der Nachsorge: bisher keine spezielle Nachnutzung vorgesehen
Wallheckenformation als Ausgleichmaßnahme für 10 ha Pappelwald

Quelle: Deutsche Bahn AG, Sandra Berner, DB Immobilien; FRI O3

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